Turntable x Amrut – Collaboration Drop 03 & Darjeeling Limited (2007)

Blended Whisky

Schottland & Indien
Limited Small Batch Release
53 % Vol.
Natural Colour · Non-Chill Filtered

Herkunftsländer und Regionen

Beim Collaboration Drop 03 reicht ein einzelnes Herkunftsland nicht mehr aus. Turntable verbindet hier schottischen Whisky mit indischem Single Malt von Amrut – und macht aus der internationalen Zusammenarbeit ganz bewusst das Konzept der Abfüllung.

Die schottische Seite bringt Speyside-Whiskys von Benriach und Tamdhu sowie Grain Whisky von Cameronbridgemit. Dazu kommt als größter Einzelbestandteil Amrut aus Bangalore in Indien. Damit ist Drop 03 tatsächlich ein internationaler Blended Whisky und kein Scotch Whisky.

Informationen zum Abfüller

Hinter Turntable Blending House stehen die Brüder Ally und Gordon Stevenson. Statt Blended Whisky als günstige Alternative zum Single Malt zu betrachten, verfolgen sie einen moderneren Ansatz: Hochwertige Malts und Grains aus unterschiedlichen Brennereien und Fassarten werden wie einzelne Spuren eines Musikstücks zusammengestellt.

Besonders sympathisch ist dabei die Transparenz. Turntable veröffentlicht die Zusammensetzung seiner Blends inklusive Brennereien, Fasstypen und prozentualer Anteile.

Nach der Zusammenarbeit mit Starward aus Australien beim Collaboration Drop 01 und Dingle aus Irland bei Drop 02 führt die dritte Ausgabe jetzt nach Indien zu Amrut.

Die Zusammensetzung

Und die ist bei diesem Whisky definitiv einen genaueren Blick wert:

  • 36 % Amrut – 1st Fill Bourbon Barrel
  • 25 % Benriach – Ex-Madeira Barrique
  • 23 % Tamdhu – 2nd Fill Bourbon Barrel
  • 16 % Cameronbridge – 2nd Fill Red Wine Barrel

Das ist eine ziemlich wilde Mischung. Vor allem aber macht Turntable nicht den Fehler, Amrut lediglich als exotische Fußnote einzusetzen. Mit 36 Prozent ist der indische Single Malt der größte Einzelbestandteil des Blends.

Informationen zu Amrut

Die Amrut Distilleries wurden 1948 gegründet und haben ihren Sitz in Bangalore. International bekannt wurde das Unternehmen vor allem durch seinen Single Malt Whisky, der Anfang der 2000er-Jahre außerhalb Indiens auf den Markt kam.

Das Klima in Bangalore unterscheidet sich massiv von dem in Schottland. Die höheren Temperaturen beschleunigen die Wechselwirkung zwischen Whisky und Fass, gleichzeitig fällt der Angel's Share erheblich höher aus. Deshalb lassen sich Altersangaben indischer Whiskys auch nicht einfach eins zu eins mit schottischen Maßstäben vergleichen.

Amrut hat wesentlich dazu beigetragen, indischen Single Malt international ernst zu nehmen. Bei diesem Turntable darf die Brennerei nun zeigen, was passiert, wenn ihr charaktervoller Malt nicht alleine im Glas steht, sondern Teil eines ziemlich ambitionierten Blends wird.

Information zur Abfüllung

Ich mag die Idee hinter diesem Whisky schon deshalb, weil Turntable hier wirklich blendet und nicht einfach nur zwei fertige Whiskys zusammenschüttet und „Collaboration“ darauf schreibt.

Vier Komponenten übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Der Amrut aus dem 1st Fill Bourbon Barrel liefert tropische Frucht, Getreidenoten und Würze. Benriach aus dem Madeira Barrique bringt zusätzliche Frucht, Süße und nussige Noten hinein. Tamdhu aus dem 2nd Fill Bourbon Barrel ergänzt klassischen Malt-Charakter und Vanille, während der Cameronbridge Grain aus dem 2nd Fill Red Wine Barrel für Struktur und zusätzliche rote Frucht sorgt.

Interessant ist auch, dass keine der vier Komponenten vollkommen untergeht. Gerade Amrut und Benriach scheinen aromatisch ordentlich nach vorne zu marschieren.

Und dann sind da die 53 % Vol. Genau richtig für so ein Experiment. Turntable versucht nicht, den Whisky auf möglichst unkomplizierte Trinkstärke herunterzubringen, sondern lässt der ungewöhnlichen Mischung genügend Kraft.

Drop 03 zeigt damit ziemlich schön, warum Blended Whisky momentan wieder spannend sein kann. Hier wird nicht versucht, möglichst gefällig zu sein – hier werden vier sehr unterschiedliche Spuren so lange übereinandergelegt, bis daraus ein Song wird.

Tasting Notes

Aroma
Honig und cremiger Butterscotch treffen auf reife Pfirsiche und Aprikosen. Dahinter liegen Getreidenoten, etwas Marzipan und eine leicht buttrige Seite. Die Frucht wirkt dabei erstaunlich frisch und üppig.

Geschmack
Cremig und kräftig mit süßem Malz, Vanille und gerösteten Mandeln. Dazu kommen Ananas und weitere tropische Früchte. Ingwer, Nelken und Piment bringen anschließend deutlich mehr Würze hinein, ohne die Fruchtigkeit zu erschlagen.

Abgang
Die Gewürze bleiben zunächst präsent, bevor wieder Pfirsich, Apfelkompott und tropische Früchte übernehmen. Etwas Eiche und eine leicht herbe Note sorgen dafür, dass das Finale nicht zu süß wird.

Filmempfehlung

Darjeeling Limited (2007)

Drei Brüder reisen ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam mit einem Zug durch Indien. Francis hat die Reise geplant und hofft darauf, die längst auseinandergelebten Brüder wieder zusammenzubringen. Doch Jack und Peter bringen ihre eigenen Probleme, Geheimnisse und reichlich emotionales Gepäck mit. Was als perfekt organisierte Reise beginnt, entwickelt sich deshalb zunehmend zu einem ziemlich chaotischen Trip durch Indien. Wes Anderson erzählt daraus eine ebenso schräge wie melancholische Geschichte über Familie, Verlust und die Frage, ob Menschen, die völlig unterschiedlich geworden sind, wieder zueinanderfinden können.

Warum passen Film und Whisky zusammen?

Eigentlich schreit dieser Turntable geradezu nach Darjeeling Limited. Ein schottisches Blending House macht sich auf den Weg nach Indien und trifft dort auf einen Partner, der dem Ganzen eine völlig andere Richtung gibt. Wie die drei Brüder im Film bringen auch Amrut, Benriach, Tamdhu und Cameronbridge ihren eigenen Charakter und reichlich Gepäck mit. Anfangs fragt man sich durchaus, wie Bourbon, Madeira und Rotwein zusammen mit schottischem und indischem Whisky funktionieren sollen. Aber genau darin liegt der Reiz: Die einzelnen Komponenten müssen ihre Eigenheiten nicht verlieren, damit am Ende trotzdem etwas Gemeinsames entsteht. Und dass die ganze Geschichte auch noch wie eine ziemlich ungewöhnliche Reise von Schottland nach Indien wirkt, macht die Paarung für mich komplett.

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