Brigantia – Pedro Ximénez Single Cask No. 1252 & Chocolat (2001)

 Single Malt Whisky

2019/2025 · Aged 6 Years
Pedro Ximénez Single Cask
57,7 % Vol. · Fassstärke
Limitiert auf 279 Flaschen

Herkunftsland und -region

Dieser Whisky kommt aus Deutschland, genauer vom württembergischen Bodensee. Produziert wird Brigantia in Kressbronn von der Familie Steinhauser. Der Name Brigantia greift die historische Verbindung zum Bodensee auf und macht ziemlich deutlich, dass hier kein schottisches Vorbild kopiert werden soll, sondern ein eigenständiger deutscher Single Malt entstehen soll.

Informationen zum Abfüller

Hier handelt es sich um eine Originalabfüllung von Brigantia beziehungsweise der Steinhauser Bodensee Hausbrennerei.

Für die Single-Cask-Abfüllungen werden einzelne Fässer ausgewählt und in Fassstärke abgefüllt. Bei Cask No. 1252 sind das kräftige 57,7 % Vol., ohne Kältefiltration.

Gerade einmal 279 Flaschen stammen aus diesem Fass. Damit ist das Ganze tatsächlich ein überschaubares Stück Bodensee und keine künstlich aufgeblasene „Limited Edition“.

Informationen zur Destille

Hinter Brigantia steht die traditionsreiche Familie Steinhauser in Kressbronn. Whisky wird dort seit 2008 produziert, wobei eine historische Brennanlage aus dem Jahr 1890 zum Einsatz kommt.

Gereift wird der Whisky unter anderem in einem über 100 Jahre alten Holzstadl, der ursprünglich im Allgäu stand und in Kressbronn wieder aufgebaut wurde. Und dann gibt es noch eine der sympathischsten Eigenheiten der Brennerei: Im Lagerhaus wird den Fässern eigens eingespielte Musik vorgespielt.

Ob Pedro Ximénez dadurch besser reift, ist wissenschaftlich vermutlich schwierig nachzuweisen. Aber langweilig haben es die Fässer am Bodensee jedenfalls nicht.

Information zur Abfüllung

Der Brigantia Pedro Ximénez Single Cask No. 1252 wurde 2019 destilliert und 2025 nach sechs Jahren abgefüllt.

Und dieses Fass macht keine großen Anstalten, seine Herkunft zu verstecken. Pedro Ximénez steht normalerweise für die richtig süße und dunkle Ecke der Sherrywelt – Rosinen, Datteln, Feigen und Schokolade sind entsprechend auch hier deutlich vertreten.

Spannend wird es durch die kräftigen Röstaromen. Kaffee und dunkle Schokolade geben der massiven Trockenfruchtsüße einen willkommenen Gegenpol, während Eiche und Gewürze dafür sorgen, dass der Whisky nicht in Richtung flüssiger Rosinenkuchen abdriftet.

Mit 57,7 % Vol. hat er dafür auch das notwendige Rückgrat. Und gerade bei einem erst sechsjährigen Whisky zeigt sich ziemlich eindrucksvoll, welchen Einfluss ein aktives Fass innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit entwickeln kann.

Bei den World Whiskies Awards 2026 gab es für Cask No. 1252 Bronze; beim Internationalen Spirituosen Wettbewerb wurden zudem 86 Punkte vergeben. Interessanter als die Medaillen finde ich aber, dass beide dokumentierten Verkostungsprofile ziemlich gut zeigen, dass hier neben der erwartbaren PX-Süße auch Röstaromen und herbere Komponenten ordentlich mitreden.

Tasting Notes

Aroma
Kräftige Röstaromen und Kaffee treffen auf Rosinen, Datteln und Feigen. Dazu kommen dunkle Schokolade und karamellisierte Noten. Auch Cranberry und eine leicht holzige Seite lassen sich finden. Trotz der 57,7 % wird der Alkohol als erstaunlich harmonisch eingebunden beschrieben.

Geschmack
Vollmundig und intensiv mit dunklen Trockenfrüchten, Karamell und Zartbitterschokolade. Dazu kommen Lebkuchengewürze, Vanille und etwas Nelke. Spannend sind frischere Fruchtnoten wie Cranberry und Apfel, die der schweren PX-Seite etwas entgegensetzen.

Abgang
Wärmend und würzig mit Schokolade, Röstaromen und zurückbleibender Süße. Eiche und eine leicht herbe Seite sorgen zum Schluss für etwas mehr Trockenheit.

Filmempfehlung

Chocolat – Ein kleiner Biss genügt (2000)

Vianne Rocher kommt mit ihrer Tochter in ein verschlafenes französisches Dorf und eröffnet dort ausgerechnet während der Fastenzeit eine Chocolaterie. Mit ihren ungewöhnlichen Kreationen und ihrer offenen Art bringt sie ziemlich schnell Bewegung in die streng geregelte Dorfgemeinschaft. Besonders dem konservativen Bürgermeister Comte de Reynaud ist Viannes Einfluss ein Dorn im Auge. Als schließlich auch noch der Reisende Roux auftaucht, geraten Tradition, Genuss und persönliche Freiheit endgültig aneinander. Daraus entsteht ein warmherziger Film über Genuss, Vorurteile und darüber, dass ein bisschen Verführung manchmal gar nicht so schlecht für den Menschen ist.

Warum passen Film und Whisky zusammen?

Bei einem Pedro-Ximénez-Fass mit Schokolade, Rosinen, Datteln und Karamell ist Chocolat eigentlich schon gefährlich naheliegend – aber hier passt es wirklich. Der Film zelebriert Süße und Genuss, ohne daraus eine klebrige Angelegenheit zu machen, und genau das schafft auch dieser Brigantia. Kaffee, Zartbitterschokolade, Gewürze und Eiche setzen der PX-Süße genügend Widerstand entgegen. Dazu besitzt beides eine angenehm warme und etwas verspielte Atmosphäre. Und spätestens bei dunkler Schokolade, Trockenfrüchten und 57,7 % dürfte selbst Comte de Reynaud Schwierigkeiten bekommen, standhaft zu bleiben.

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